Wie kann Soziale Arbeit in einer postmigrantischen Gesellschaft gelingen? Mit dieser Fragestellung beschäftigten sich Anfang Mai Studierende und Lehrende aus Deutschland, Österreich und der Schweiz bei der Euregio-Ringtagung 2026 an der Fachhochschule Vorarlberg in Dornbirn. Die Veranstaltung brachte Teilnehmende der Hochschule Ravensburg-Weingarten (RWU), der OST – Ostschweizer Fachhochschule sowie der FH Vorarlberg zusammen und verband wissenschaftliche Perspektiven mit Praxiserfahrungen und persönlichem Austausch.
Die diesjährige Tagung stand unter dem Titel „Soziale Arbeit in der postmigrantischen Gesellschaft: Diversitätsbewusste und diskriminierungskritische Praxis“. Dabei ging es um die Frage, wie gesellschaftliche Vielfalt verstanden, reflektiert und aktiv in professionelles Handeln der Sozialen Arbeit eingebunden werden kann.
Migration als gesellschaftliche Normalität verstehen
Besonders prägend war die Keynote von Professor Dr. Erol Yıldız von der Universität Innsbruck. Seine zentrale Botschaft lautete, Migration nicht als Ausnahmefall, sondern als historische Normalität moderner Gesellschaften zu betrachten. Der postmigrantische Blick hinterfragt etablierte Kategorien wie „Einheimische“ und „Migrant*innen“ und macht sichtbar, welche Erfahrungen und Perspektiven in gesellschaftlichen Debatten häufig übersehen werden.
Auch die zweite Keynote von Eva Grabherr eröffnete Einblicke in Entwicklungen rund um Migration, Integration und Diversität in Vorarlberg und zeigte aktuelle Herausforderungen sowie regionale Perspektiven auf.
Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis
Am Nachmittag boten verschiedene Workshops Raum für Vertiefung und Diskussion. Themen wie Intersektionalität, strukturelle Diskriminierung, rassismuskritische Soziale Arbeit oder kulturelle Vielfalt in der Jugendarbeit wurden aus unterschiedlichen fachlichen Perspektiven betrachtet. Auch die RWU war mit eigenen Beiträgen vertreten: Professorin Dr. Annika Valentin gestaltete einen Praxisworkshop zu Materialien und Methoden für eine diversitätsbewusste Soziale Arbeit, während Dr. Claudia Boscher und Johannes Steinle Einblicke in Herausforderungen migrantischer Care-Arbeit in der DACH-Region gaben.
"Neben den fachlichen Impulsen bleibt insbesondere der offene Austausch über Ländergrenzen hinweg in Erinnerung", so das teilnehmende RWU-Team. "Die Tagung machte deutlich, wie wichtig es ist, unterschiedliche Perspektiven zusammenzuführen und gemeinsam darüber nachzudenken, wie Soziale Arbeit gesellschaftliche Vielfalt aktiv mitgestalten kann."