Am Donnerstag, 5. März, hat der Masterstudiengang Management im Sozial- und Gesundheitswesen die jährlich stattfindende Weiterdenkertagung ausgerichtet. Geladen waren Studierende und Alumni des Masterstudiengangs sowie Fach- und Führungskräfte im Gesundheitswesen.
Professorin Dr. Heidi Reichle, Prorektorin für Didaktik, Digitalisierung und Hochschulkommunikation an der RWU, hieß die Gäste willkommen. Professor Dr. Axel Olaf Kern, Studiendekan für den berufsbegleitenden Masterstudiengang begrüßte zudem insbesondere die neuen Masterstudierenden.
Auch Manne Lucha, Minister für Soziales, Gesundheit und Integration des Landes Baden-Württemberg und Absolvent der RWU, sagte ein paar Worte zu Beginn der Tagung. „Meine ganze Biographie, die mich heute ausmacht, ist mit dieser Hochschule verbunden“, so der Minister.
„Fördern wir das Richtige und fördern wir es richtig?“
Er betont die gesamtgesellschaftliche Bedeutung der Sozialen Arbeit und lobt in diesem Zug die Arbeit der Hochschule. Zentral in der öffentlichen Diskussion um das kleiner werdende Budget für Maßnahmen im Sozialwesen sei für ihn vor allem die Frage: „Fördern wir das Richtige und fördern wir es richtig?“
Nach diesem Gedankenanstoß ging es weiter mit dem Hauptprogrammpunkt der Tagung. Professorin Dr. Sigrid James von der Universität Kassel sprach in ihren Vortrag zum Thema „Wirkung im Blick – Wirkungsorientierung im Sozial- und Gesundheitswesen“ über ihre eigenen Erfahrungen als Sozialarbeiterin in den 1980er- und 1990er-Jahren in Kalifornien. Sie beschrieb insbesondere die Frustration, die sie dabei fast täglich erlebte.
Sigrid James plädiert für „theory of change”
Insbesondere der mangelnde Handlungsspielraum sowie das Fehlen einer Datenbasis erschwerte die Arbeit im sozialen Bereich damals sehr. Sigrid James erklärte, dass erst im Jahr 1997 eine evidenzbasierte und wirkungsorientierte Soziale Arbeit in den Vereinigten Staaten eingeführt wurde. Sie empfand dies damals als Revolution.
Die Grundannahme im Sozialwesen sei stets: „Soziale Arbeit sollte etwas bewirken.“ Damit einher geht die grundlegende Frage: „Was soll und kann die Soziale Arbeit bewirken?“ Die Diskussion bestünde in Deutschland mittlerweile seit knapp 20 Jahren. Ein Problem in der Debatte sei das unterschiedliche Verständnis von Wirksamkeit. Für Sigrid James ist die Definition jedoch klar: Wirkung bedeutet für sie eine kurz- bis mittelfristige Veränderung bei der Zielgruppe.
Um dies zu erreichen, spricht sie sich für eine „theory of change“ aus, im Zuge derer Zielsetzungen klar definiert und Indikatoren für Veränderungen festgelegt werden. Mittlerweile existieren laut James eine große Datenbasis sowie eine lange Liste empirisch gestützter Programme. Über diese müsse allerdings ein reger Austausch herrschen, Konzepte müssten stetig evaluiert und überprüft werden; im besten Fall durch Sozialarbeitsforschende, die in evaluativen Methoden geschult sind.
Zu wenig Fokus auf Prävention
Auf den Vortrag folgte eine Podiumsdiskussion. Doktor Tim Gerhäusser aus dem Landkreistag Baden-Württemberg, Christian Muth von der Evangelischen Heimstiftung, Sebastian Stocker aus dem Landkreis Sigmaringen, Matthias Quick von der Stiftung Haus Lindenhof und Markus Packmohr von der AOK Bodensee-Oberschwaben griffen die gehörten Impulse auf und tauschten sich über die aktuellen Herausforderungen im Sozial- und Gesundheitswesen aus. Sie kamen überein, dass nach wie vor zu wenig Fokus auf das Thema Prävention gelegt wird. Das Publikum konnte Fragen stellen.
In Workshops wurden Themen wie Selbsthilfe und soziale Robotik diskutiert
Am Nachmittag wurden verschiedene Workshops angeboten. In diesen konnten die Besuchenden der Tagung mehr Informationen erhalten und sich austauschen. Unter anderem wurde der Einsatz von sozialer Robotik in der Altenpflege diskutiert. Die Firma Navel Robotics stellte ihr Produkt vor und erklärte, inwiefern der Empathie-Roboter dazu geeignet ist, die Lebensqualität von älteren Menschen zu fördern und Mitarbeitende in Pflegeheimen zu entlasten.
In den anderen Workshops ging es zum Beispiel um einen Ansatz für eine transparente und partizipative Dienstplanung, um Wirkungsorientierung im Praxisfeld am Beispiel der Stiftung Haus Lindenhof, um den Einsatz von assistiver Technik bei Personalengpässen sowie um die gesellschaftliche Relevanz und Wirkung von Selbsthilfe.
Studiengangsleiter Axel Olaf Kern nutzte die Tagung als Anlass, um auf das weitreichende Weiterbildungsangebot der RWU zu verweisen.
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Text: Caroline Kolb