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Interview

Wo kaputte Geräte eine zweite Chance bekommen

Ehemaliger Elektrotechniker und Feuerwehrmann Hubert Engler möchte seine jahrelange Berufserfahrung für mehr Nachhaltigkeit einsetzen. In der Zusammenarbeit mit dem studentischen Makerspace „House of Makers and Engineers“ (HOME) der RWU und dem Verein „Freunde des HOME“, der die Werkstatt auch für die Bevölkerung zugänglich macht, gründet er deswegen das Projekt „ReparierBar“. Was er alles dafür organisieren musste, welche Geräte bereits bei ihm zu Gast waren und wie man mitmachen kann, erzählt er in diesem Interview.

Chiara Roma: Was ist die ReparierBar?

Hubert Engler: Die ReparierBar ist eine Abteilung des ehrenamtlichen „Freunde des HOME“-Vereins in Weingarten. Bei uns haben Menschen die Möglichkeit, ihre kaputten Geräte und Dinge anstatt sie wegzuwerfen gemeinsam mit uns kostenlos zu reparieren und sich untereinander auszutauschen. Wir setzen damit nicht nur ein Zeichen für die Nachhaltigkeit, sondern bieten auch einen sozialen Treffpunkt für alle Interessierten an. 

Wie kamen Sie auf die Idee, die ReparierBar zu gründen?

Ich bin schon mein Leben lang Bastler gewesen – sogar als Kind habe ich bereits Dinge auseinandergeschraubt, um herauszufinden, wie sie funktionieren. Jetzt, da ich in den Vorruhestand gegangen bin und der aktive Feuerwehrdienst mit 65 Jahren endet, wollte ich mir noch eine weitere Beschäftigung aufbauen. Als ich dann etwas über die weltweite Repair-Café Bewegung gelesen habe, wollte ich wissen, ob es so etwas auch in Weingarten gibt – und da dies nicht der Fall war, kam ich auf die Idee, es selbst ins Leben zu rufen. Vorstellen durfte ich meine Idee dann bei der Projektschmiede der Stadt.

Was musste alles getan werden, um das Projekt zu verwirklichen?

Ich habe erstmal über einen ehemaligen Arbeitskollegen, der jetzt Professor an der RWU ist, Kontakt zu der Hochschule aufgenommen, da wir einen geeigneten Ort für die Arbeit an Elektrotechnik brauchten. Da stellte sich heraus, dass die RWU für die Studierenden schon so einen Maker-Space hat, das „House of Makers and Engineers“, kurz „HOME“. Das bot sich mit seinen vielen Möglichkeiten natürlich am besten an. Auch der Kanzler Herr Rudewig und Rektor Herr Spägele waren einverstanden, ebenso Rektorin Frau Schweizer der PH. Danach mussten wir nur noch eine Nutzungsgenehmigung des Landes Baden-Württemberg, dem das Gebäude gehört, einholen und die Nutzungsgebühr abklären.

Wie finanziert sich die ReparierBar?

Zu Beginn wurden wir von den Bürgerstiftungen des Landkreises Ravensburg und der Stadt Weingarten gefördert, damit wir passende Werkzeuge einkaufen konnten. Weiter finanzieren wir unsere Fixkosten, wie den Mietpreis, und bei Bedarf neues Equipment über freiwillige Spenden. Gerne möchten wir dafür auch noch weitere Sponsoren gewinnen.

Wie haben Sie Mitstreiter*innen für das Projekt gewonnen?

Zu Beginn habe ich meine Kollegen bei der Feuerwehr gefragt, dann mir bekannte Amateurfunker und Elektriker, die technisches Know-How mitgebracht haben. Auch über die Projektschmiede haben wir uns mit Helfer*innen vernetzt. Durch die enge Zusammenarbeit mit der studentischen Initiative HOME haben wir noch Studierende und Alumni für das Team der ReparierBar gewinnen können. Mittlerweile melden sich manchmal Menschen während Terminen. So hat uns ein Herr angesprochen, der 40 Jahre als Radio- und Fernsehtechniker gearbeitet hat. Das traf sich gut, denn kurz danach kam ein Gast mit einem alten Röhrenradio vorbei. Bei der Organisation unterstützt mich vor allem meine Stellvertretin Regina Kollmann, die bereits im Repair-Café tätig war.

Sie nutzen an der RWU die Räume des studentischen Maker Space. Wie sieht die Zusammenarbeit mit dem Team vom HOME aus?

Die Zusammenarbeit läuft sehr gut. Wenn in der Hochschule viel los ist, wie in der Prüfungszeit, müssen wir natürlich Rücksicht nehmen. Aber das bekommen wir immer so organisiert, dass es für beide Parteien passt.

Was war denn bis jetzt die schwierigste oder interessanteste Reparatur?

Das interessanteste war eine hundertjährige mechanische Schreibmaschine, die eine Besucherin vorbeigebracht hat. Sie wollte darauf ihre Memoiren schreiben, aber der Schlitten hat sich nicht mehr bewegt. Wir haben lange herumgetüftelt, bis sich herausstellte, dass ein Stück Blech im Mechanismus steckte. Danach war die Reparatur ganz einfach. Schwierige und zeitintensive Fälle sind vor allem Kaffeevollautomaten, da deren Innenleben je nach Marke und Alter immer ein bisschen anders ist. Röhrenradios sind sowohl spannend als auch anspruchsvoll – unser erstes konnten wir leider nicht mehr retten, aber ein weiteres danach haben wir wieder hinbekommen. Wir können bei der Reparatur natürlich keine Erfolgsgarantie versprechen, aber es gibt nichts Schöneres, als wenn wir es geschafft haben, jemandem zu helfen und unsere Besucher*innen glücklich nach Hause gehen.

Mit der ReparierBar helfen Sie anderen Menschen, Dinge zu reparieren. Haben Sie selber dabei auch etwas dazugelernt? 

Bei jedem Gerät lernt man eigentlich immer etwas Neues dazu. YouTube Tutorials und natürlich Team-Austausch sind dabei sehr hilfreich. Und um die ReparierBar zu bewerben, bringe ich mir momentan bei, wie man mit Instagram, Facebook und Edits umgeht. Meine Feuerwehr-Kollegen scherzen jetzt immer und sagen, ich werde Influencer. 

Gibt es irgendwelche Pläne für die Zukunft, das Angebot der ReparierBar zu erweitern?

Momentan liegt es im Trend, PCs selbst aufzurüsten, da hatte ich schon die Überlegung so etwas auch bei uns zu machen und ein Linux Café anzubieten. Fahrräder oder Handys wären auch eine Option, allerdings würde ich das nur machen, wenn ich entsprechendes Personal im Team hätte. Da gäbe es auch noch ein paar Dinge zu klären, um gewerbliche Konflikte zu vermeiden, deshalb ist es aktuell erstmal keine Sache, die wir aktiv umsetzen würden.

Wie kann man in der ReparierBar mitmachen? Gibt es Voraussetzungen?

Den Antrag, bei uns mitzumachen kann man direkt bei unseren Terminen unterzeichnen, und schon ist man dabei. Wir treffen uns einmal im Monat, samstag vormittags. Wichtig ist vor allem ein Interesse am Reparieren von Geräten und Dingen, keine Scheu vor fremden Menschen, und Teamfähigkeit. Natürlich ist es praktisch, wenn jemand spezifisches Wissen zu Reparaturen mitbringt, aber die Motivation, etwas zu lernen ist genauso wertvoll. Wir planen auch, in Zukunft unsere Helfer*innen weiterzubilden. Übrigens wird bei uns nicht nur Technik repariert- wir suchen noch gezielt nach Freiwilligen, die Erfahrung oder Interesse an den Bereichen Textilien oder allgemeine Organisation und Empfang haben. 

Die kommenden Veranstaltungstermine des Vereins und weitere Informationen findet ihr auf Instagram unter @reparierbar_weingarten.

Text:
Chiara Roma