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Institut für Lehr- und Lernforschung

Neue Publikation: „Dynamische Hochschule entwickeln“

Frau liest im Lehrbuch zur dynamischen Entwicklung einer Hochschule
Bildquelle:
KI-generiert, Hannes Gilch

Wie kann Hochschulbildung im Zeitalter von Digitalisierung, Künstlicher Intelligenz und gesellschaftlichem Wandel zukunftsfähig gestaltet werden? Mit dieser Frage beschäftigt sich der neu erschienene Sammelband „Dynamische Hochschule entwickeln – Ein multiperspektivischer Zugang“, der vom Institut für Innovative Lehre sowie Angewandte Lehr- und Lernforschung der RWU herausgegeben wurde.

Die Publikation vereint 16 wissenschaftliche Beiträge zur Weiterentwicklung von Lehre, Lernen und Hochschulorganisation im digitalen Wandel. Alle Artikel wurden von Lehrenden und Forschenden der RWU Hochschule Ravensburg-Weingarten und der Pädagogischen Hochschule Weingarten verfasst. Zweieinhalb Jahre nach dem ersten gemeinsamen Sammelband liegt damit nun eine weitere Publikation vor, die aktuelle Entwicklungen und Zukunftsperspektiven der Hochschulbildung beleuchtet.

Hochschulentwicklung als dynamischer Prozess

In ihrem einleitenden Beitrag beschreiben Franziska Preiß, Professorin Dr. Heidi Reichle und Professor Dr. Jörg Wendorff Hochschulentwicklung als einen dynamischen Prozess im Spannungsfeld gesellschaftlicher, technologischer und bildungspolitischer Veränderungen. Ein zentrales Merkmal dieser Entwicklung, so die Herausgeber*innen, ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit, die sich auch in der Heterogenität der Autorinnen und Autoren widerspiegelt. Durch die multiperspektivische Sichtweise auf die Chancen und Herausforderungen von Hochschulentwicklung erhalten die Leser*innen vielseitige Einblick in theoretische Konzepte, empirische Befunde und praxisorientierte Lösungsansätze, die zur Gestaltung einer zukunftsfähigen Hochschule beitragen können.

Future Skills und digitale Souveränität

Das Buch ist in die drei Kapitel Grundlagen, Lehr-Lernaktivitäten und Settings gegliedert. Zu den grundlegenden Fragestellungen gehört die Entwicklung von Zukunftskompetenzen. So versteht beispielsweise Martin Preußentanz „Gelassenheit“ als zentrale Future Skill im digitalen Zeitalter. Angesichts von Phänomenen wie permanenter Erreichbarkeit, Informationsüberflutung oder digitalen Abhängigkeiten plädiert er für eine reflektierte und souveräne Nutzung von Technologie. Gelassenheit wird dabei nicht als Technikverzicht verstanden, sondern als bewusste Haltung gegenüber einer zunehmend digitalisierten Lebens- und Arbeitswelt.

Innovative Lehr- und Lernformate

Mehrere Beiträge widmen sich innovativen Ansätzen der Hochschullehre. Irena Schreyer und Jochen Weißenrieder untersuchen den Einsatz von E-Portfolios in der Studieneingangsphase technischer und wirtschaftswissenschaftlicher Studiengänge. Ihre Ergebnisse zeigen, dass Portfolioarbeit insbesondere Selbstreflexion, Lernplanung und Zielorientierung fördern kann. Entscheidend für den Erfolg sind eine didaktische Begleitung sowie die nachhaltige curriculare Verankerung.

Anna Maria Schmid führt in Ihrem Beitrag aus, dass sich für den Einsatz von KI in der Sozialen Arbeit bereits vielfältige Möglichkeiten bieten – von Fallanalysen und Entscheidungsunterstützung bis hin zu Beratung, Prävention und organisatorischer Entlastung. Gleichzeitig bestehen Risiken wie Datenschutzprobleme,  Intransparenz und die Gefahr der Deprofessionalisierung. Hochschulen tragen dabei eine zentrale Verantwortung, zukünftige Sozialarbeitende für einen kompetenten und kritischen Umgang mit KI zu qualifizieren.

Virtuelle und reale Lernräume sinnvoll verbinden

Wie digitale Technologien den Theorie-Praxis-Transfer unterstützen können, verdeutlichen Anna-Sophia Schwind und Markus Rossa am Beispiel des Studiengangs Angewandte Psychologie. Mit der an der RWU entwickelten Virtual-Reality-Anwendung „RWU Talk“ trainieren Studierende diagnostische Gespräche mit realitätsnahen Avataren psychisch erkrankter Personen. Erste Evaluationen weisen auf hohe Akzeptanz und positive Lerneffekte hin. Der Beitrag unterstreicht zugleich die Bedeutung einer didaktisch fundierten Einbettung immersiver Technologien in die Hochschullehre.

Auch die Gestaltung von Lernumgebungen wird im Sammelband thematisiert. Professor Dr. Andre Kaufmann untersucht den Kompetenzerwerb in virtuellen und realen Elektrotechniklaboren. Seine Ergebnisse zeigen, dass simulationsbasierte Labore ein sicheres und effektives Verständnis technischer Zusammenhänge fördern, während reale Labore unverzichtbare praktische Erfahrungen vermitteln. Beide Formate ergänzen sich und leisten jeweils einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung beruflicher Handlungskompetenz.

Beitrag zur Hochschulbildung der Zukunft

„Digitalisierung und KI, Internationalisierung und veränderte Lern- und Arbeitskulturen zählen zu den zentralen Herausforderungen, denen sich Hochschulen stellen müssen“, betont Professorin Dr. Heidi Reichle, Prorektorin für Didaktik, Digitalisierung und Hochschulkommunikation der RWU. „Mit dem vorliegenden Band leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Auseinandersetzung mit diesen Themen und stellen unsere Arbeit allen interessierten Personen und Institutionen zur Verfügung.“

Der Band „Dynamische Hochschule entwickeln“ ist im Waxmann Verlag erschienen und ist online frei zugänglich. Damit unterstreicht das Institut I3L an der RWU sein Selbstverständnis als offene Plattform für hochschuldidaktischen Themen auch über die RWU hinaus.

Hier geht’s zum E-Book: "Dynamische Hochschule entwickeln"

Text:
Christoph Oldenkotte