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Interview

Vom Hochschulprojekt zur echten Kampagne

Denise Janko und Isabell Conrad mit Designelementen ihres Projekts von "Das Meer Beginnt Hier!" an der RWU.
Denise Janko und Isabell Conrad mit Designelementen ihres Projekts von "Das Meer Beginnt Hier!" an der RWU.
Bildquelle:
RWU, Kathrin Wöhrle

Meeresschutz beginnt nicht erst am Strand: Mit ihrer Kampagne „Das Meer Beginnt Hier!“ machen Isabell Conrad und Denise Janko darauf aufmerksam, dass Mikroplastik und Schadstoffe auch über Flüsse und Seen ins Meer gelangen können. Entstanden ist das Projekt im Rahmen ihres Mediendesignstudiums, anders als üblich jedoch nicht als fiktive Kampagne, sondern in Zusammenarbeit mit der Surfrider Foundation Germany. Im Interview erzählen sie, wie daraus eine echte Kommunikationskampagne wurde.

 

Kathrin Wöhrle: Was steckt hinter eurem Projekt „Das Meer Beginnt Hier!“?

Denise Janko: Viele Menschen verbinden Ozeanschutz vor allem mit der Küste oder dem Meer. Uns war aber wichtig zu zeigen, dass Meeresschutz bereits im Inland beginnt und jeder durch sein eigenes Verhalten einen Einfluss darauf hat.

Isabell Conrad: Uns war wichtig, dass das Projekt nicht nur schön aussieht, es sollte Menschen zum Nachdenken über ihr eigenes Verhalten anregen.

Wie ist das Projekt und die Zusammenarbeit mit der Surfrider Foundation Germany entstanden?

Denise: Normalerweise entwickelt man eine fiktive Kampagne. Wir wollten aber mit einer echten Organisation zusammenarbeiten.  

Isabell: Auf die Surfrider Foundation Germany bin ich durch eine Broschüre der Ocean Film Tour aufmerksam geworden. Wir haben dann Kontakt aufgenommen und sie hatten sofort Lust, mit uns zusammenzuarbeiten.

Wie seid ihr bei der Entwicklung der Kampagne vorgegangen?

Isabell: Zuerst haben wir uns intensiv in das Thema Mikroplastik und Gewässerschutz eingearbeitet, passende Quellen und Studien gesucht und überlegt, welche Geschichte wir erzählen möchten.

Denise: Von der Foundation bekamen wir nur den Slogan „Das Meer Beginnt Hier!“ Isabell wollte von Anfang an einen Film machen und ich den grafischen Teil entwickeln. Das gesamte Konzept haben wir gemeinsam ausgearbeitet.

Isabell: Fachliches Feedback durch Expertinnen und Experten der Foundation half uns, die Inhalte wissenschaftlich korrekt aufzubereiten.

Wie habt ihr Film und grafische Gestaltung miteinander verbunden?

Isabell: Für mich war von Anfang an wichtig, dass Film und Grafik eine gemeinsame Sprache sprechen. Animationen, Fotos und Gestaltung sollten zusammenpassen und einen einheitlichen Look erzeugen.

Denise: Wir haben uns gegenseitig unterstützt und ständig Feedback gegeben. Ich war bei den Drehtagen dabei und Isabell hat sich meine Entwürfe angeschaut. Trotzdem hatte jede ihren eigenen Bereich. Unser Ziel war, dass am Ende ein konsistentes Gesamtbild entsteht. 

Isabell: Durch die unterschiedlichen Medien konnten wir unabhängig arbeiten und uns gleichzeitig gegenseitig ergänzen. Durch Denises grafische Gestaltung konnte das Thema viel breiter ausgespielt werden.

Denise: Außerdem haben mir die Interviews aus dem Film viele Informationen geliefert, die ich für die Gestaltung nutzen konnte. Beides hat sich sehr gut ergänzt.

Welche Materialien sind im Rahmen der Kampagne entstanden?

Denise: Unser Ziel war eine Kampagne, die an möglichst vielen Stellen sichtbar wird. Deshalb sind ein Film, eine Plakatreihe, Faltflyer, Sticker, Schilder und Magazinbeiträge entstanden. Zusätzlich haben wir Social-Media-Beiträge und kurze Clips entwickelt.

Isabell: Der Film war für mich das zentrale Medium. Gleichzeitig wurde schnell klar, dass er allein nicht dieselbe Reichweite hätte. Die grafischen Materialien machen das Thema im Alltag präsent und geben Menschen verschiedene Möglichkeiten, sich damit auseinanderzusetzen.

Habt ihr mit dem Umfang gerechnet, der euer Projekt erreicht hat?

Denise: Am Anfang stand noch gar nicht fest, wie groß das Projekt werden würde. Es entwickelte sich Schritt für Schritt. Bei den ersten Drehs hatte ich selbst noch gar nichts gestaltet. Erst durch die Interviews, die Recherche und viele neue Ideen entstand die komplette Kampagne. Anfang Januar stand dann fest, dass meine Printmaterialien sogar in Magazinen veröffentlicht werden.

Isabell: Ich konnte den Film beispielsweise bei einem Filmabend vob Surfrider in Mannheim präsentieren. Später haben wir die Präsentation und den Film auch bei einer Veranstaltung in Hamburg gezeigt.

Denise: Zusätzlich wurden Materialien der Kampagne für weitere Publikationen und Veranstaltungen genutzt, unter anderem für die Ocean Film Tour. Dadurch erreicht das Thema Menschen in verschiedenen Ländern und wird teilweise auch auf Englisch veröffentlicht. Besonders gefreut hat uns, dass unsere Kampagne offiziell von der UN-Ozeandekade endorsed, also genehmigt und befürwortet wurde. Die UN-Ozeandekade unterstützt zwischen 2021 und 2030 Projekte zum Schutz der Meere und unsere Kampagne wird als Best Practice vorgestellt. Das ist wirklich etwas Besonderes.

Welche Zielgruppen wolltet ihr mit eurer Kampagne erreichen?

Isabell: Uns war bewusst, dass wir vor allem Menschen erreichen möchten, die grundsätzlich offen für Umwelt- und Meeresschutz sind, sich aber bisher noch nicht intensiv mit dem Thema beschäftigt haben.

Denise: Wir haben dazu zwei Zielgruppen definiert: Zum einen Erwachsene, etwa um die 40, beispielsweise Eltern, die sich Gedanken über die Zukunft ihrer Kinder machen und bereits ein gewisses Umweltbewusstsein haben. Sie sollten über Plakate, Flyer oder Schilder auf die Kampagne aufmerksam werden. Zum anderen wollten wir eine jüngere Zielgruppe erreichen, die viel auf Social Media unterwegs ist. Dafür haben wir zusätzlich Beiträge und kurze Clips für digitale Kanäle entwickelt.

Isabell: Uns war wichtig, zu informieren statt mit erhobenem Zeigefinger zu kommunizieren. Die Kampagne sollte Menschen motivieren, selbst aktiv zu werden.

Wenn ihr heute zurückblickt: Was hat euch während der Entstehung des Projekts am meisten überrascht?

Denise: Am Anfang war ich ziemlich orientierungslos. Erst durch Interviews und Recherche entwickelte sich nach und nach eine Richtung. Und unser Anspruch an die Qualität war durchgängig sehr hoch, weil wir wussten, dass die Ergebnisse später veröffentlicht werden.

Isabell: Ich erinnere mich noch an die Rückfahrt von unserem Dreh in Zeiskam. Wir haben darüber gesprochen, was aus dem Projekt entstehen könnte. Aber dass wir irgendwann Film, Magazine, Plakate und Social Media miteinander verbinden würden, war damals unvorstellbar.

Welche Wirkung hatte das Projekt und was bedeutet es euch persönlich?

Denise: Das Schönste war, dass viele Menschen gesagt haben, dass sie durch das Projekt angefangen haben, über ihr eigenes Verhalten nachzudenken. Genau das wollten wir erreichen.

Isabell: Wir haben positives Feedback von Surfrider, aber auch aus unserem privaten Umfeld bekommen. Es ist schön zu sehen, dass unsere Arbeit Menschen tatsächlich erreicht.

Denise: Und die Foundation entwickelt die Kampagne weiter. Wir hoffen, dass sie auch in Zukunft viele Menschen erreicht und wir weiterhin daran mitwirken können.

 

Text:
Kathrin Wöhrle