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Corona - Was geht

Professor im Homeoffice

Corona Was geht - Professor im Homeoffice

Die RWU steht auch in diesen außergewöhnlichen Tagen und Wochen nicht still. An vielen Stellen wird mit Engagement und Kreativität an neuen Lösungen gearbeitet. Mit der Reihe „Corona – Was geht“ möchten wir den Blick nicht nur auf das richten, was derzeit nicht möglich ist, sondern gerade auch auf das, was geht.

Eine Professorin oder einen Professor stellt man sich in Ausübung ihres Berufes in einem Hörsaal vor, aufsteigende Stuhlreihen mit mehr oder weniger verständig dreinschauenden jungen Menschen. Doch das Coronavirus macht auch durch diese eingespielte Szenerie einen dicken Stich: Semesterstart ohne Hörsäle. Was bedeutet das für die Profs? Ein Erlebnisbericht aus dem Homeoffice von Professor Dr. Markus Pfeil:

 

Ich unterrichte als Professor für eingebettete Systeme und bin Senatsbeauftragter für nachhaltige Entwicklung. Gleichzeitig habe ich vier Kinder, von denen drei gerade die erste Etappe (vor den Osterferien) in der Homeschool hinter sich bringen. Meine Frau deckt hier drei Schularten gleichzeitig ab, Grundschule, Waldorfschule und Gymnasium. Die Aufgabenstellungen sind sehr unterschiedlich, auch der Arbeitsaufwand für die Kinder. Der ganz Kleine bekommt nur sehr wenig Zeit aktuell. Ich selber bereite alle meine Vorlesungen per Video vor und stelle sie mit Aufgaben online bereit.

Was sich mir in dieser Zeit zeigt, ist, wie wichtig es ist, seinen Alltag nachhaltig zu gestalten. Nachhaltig im sozialen Sinne, mehr noch als im ökologischen oder ökonomischen. Die ökonomische Nachhaltigkeit ist sicherlich auch sehr wichtig in unsicheren Zeiten, doch der soziale Aspekt zeigt sich sehr deutlich.

Wir haben zuhause ein Miteinander finden müssen, das wir so auch über Wochen aufrechterhalten können, das also nachhaltig ist. Hier haben wir festgestellt, dass wir sehr daran gewöhnt waren, dass die großen Kinder einen guten Teil des Tages entweder außer Haus oder beschäftigt waren, und so Zeit für viele Dinge war, ohne dass die Kinder drum herum waren. Ich habe festgestellt, dass der Wechsel von Vorlesung und Vorbereitung zu Familie nur gut gelingt, wenn er eine räumliche Trennung beinhaltet, die klarmacht, wann man arbeitet und wann man "daheim" ist, auch wenn beides zu Hause stattfindet.

Der Zufall begünstigt nur den vorbereiteten Geist.

Der Tag braucht eine gute Struktur, und die darf nur Dinge enthalten, die man nachhaltig machen kann. Wir machen jeden Vormittag drei Stunden Schule mit je 30 Minuten Pause. Das macht meine Frau mit den Kindern. Ich arbeite währenddessen (im Keller) und bin "nicht da". Nachmittags geht meine Frau mit den Kindern an die frische Luft, ohne Freunde und dergleichen, die hier sonst oft dabei waren. Ich arbeite dann noch weiter. Wir planen Sport ein und Fernsehzeiten. Zumindest für uns geht das nur mit sehr viel Struktur, denn dann klappt es, dass wir das jeden Tag so machen und nicht in einen planlosen Tag schlittern.

Auch die Einstellung zur Krise muss nachhaltig sein, denn es hilft nicht, wenn man sich apokalyptischen Visionen vom Untergang hingibt, aber auch nicht, wenn man eine unreflektierte Hoffnung pflegt, dass schon alles gut würde. Beides führt in die Tatenlosigkeit. Achtsam mit seinem Umfeld zu sein, und immer das zu tun, was man gerade kann, hilft mir zumindest sehr, auch dauerhaft mit der Situation umzugehen. Auch wenn die digitale Lehre, die ich im Moment mache, in Zukunft vielleicht nicht mehr in dieser Form zum Einsatz kommt, so habe ich dann doch etwas vorbereitet, was mir jetzt und in Zukunft zur Verfügung steht. Das ist auch mein Appell an die Studierenden: Das zu lernen, was jetzt geht, denn dann hat man eine Grundlage für das, was kommt, egal wie das aussieht.

Daher ist mein Fazit, Homeschooling ist anstrengend, denn die Struktur durchzusetzen ist nicht immer einfach bei den Kindern, die viel Freiheit gewöhnt sind und deren schulische Struktur ja sonst extern ist. Aber es ist machbar. Und das Homeoffice ist anstrengend, weil ich mir selbst die Struktur geben muss, obwohl es auch anders ginge. Und doch möchte ich es so machen, dass ich es auch nachhaltig aufrechterhalten kann.

Und egal, was dann kommt, es fällt mir dann leichter damit umzugehen. Louis Pasteur hat das treffend gesagt: Der Zufall begünstigt nur den vorbereiteten Geist.

 

News & FAQ zum Umgang mit Corona an der RWU

Text:
Professor Dr. Markus Pfeil / Christoph Oldenkotte