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Internationale Studienwoche

Auf Pionierreise nach Singapur

Studienwoche Singapur
Von links: Dominic Roth (ZF), Katharina Ravens (German Centre Singapore), Melissa Brandner (AHK), Prof. Dr. Eberhard Hohl, Prof. Dr. Opas Piansoongnern (deutsche Flagge) und die IB-Studiengruppe
Quelle:
privat

Schon beim ersten Treffen zur Studienreise an der RWU und beim Abflug in München waren die zehn Studierenden voller Vorfreude. „Sollten die kommenden Tage genauso faszinierend und lehrreich werden wie unsere Studienreise im vergangenen Jahr, so werden wir wohl einzigartige Einblicke erhalten, die wir nur dank Professor Dr. Eberhard Hohl und der Hochschule zu Gesicht bekommen werden“, so Jan Bolender, Student im 5. Semester des MBA-Studiengangs.

Die ersten besonderen Einblicke bekamen die Studierenden schon bei ihrer Ankunft am Changi International Airport, welche sie so aber nicht erwartet hätten. Statt hektischem Treiben und unzähligen Reisenden war der Flughafen, der zu den größten in ganz Asien zählt, wie ausgestorben. Der Grund: Covid-19. Das Virus sollte die Pioniere die ganze Studienwoche lang „begleiten“. Eines vorneweg: Der Stadtstaat mit etwa sechs Millionen Einwohnern ging frühzeitig und konsequent, z. B. mit Fiebermessungen in Hotels und öffentlichen Einrichtungen, gegen die Pandemie vor. Aufgrund der verschärften Maßnahmen wurden daher einige Programmpunkte, wie der Besuch der „INSEAD BUSINESS SCHOOL“, abgesagt.

„Das Leben geht weiter“

„Natürlich ist die Stadt leerer als sonst, aber trotz des Coronavirus geht das Leben hier weiter. Mit den Maßnahmen wie Fiebermessungen, dem Tragen der Atemschutzmasken und unserem modernen Gesundheitssystem schaffen wir das schon“, erläuterte die Reiseleiterin, als sie die Weingartner Studierenden mit auf eine Erlebnistour durch die multikulturelle Metropole nahm. Vorbei an imposanten Wolkenkratzern, gepflegten Grünflächen und über saubere Straßen hinweg ging es Richtung Zentrum der „Löwenstadt“, wie die Einwohner ihre Heimat respektvoll nennen. Dort angekommen, erkundeten die Studierenden Little India sowie das arabische Viertel und erlebten an ihrem ersten Tag mit dem Besuch des Botanischen Gartens, des Thian Hock Keng Tempels und Marina Bay einen Mix ausTradition und Moderne. Während die Studienwoche mit den ersten kulturellen Highlights startete, sollten die kommenden Tage zudem unvergessliche akademische und businessbezogene Einblicke mit sich bringen.

Am zweiten Tag ging es für die Gruppe schon früh am Morgen nach Sentosa Island. Die etwa fünf Quadratkilometer große Insel war früher britischer Militärstützpunkt und dient heute den „Singaporeans“ mit ihren Stränden, Parks und Vergnügungsmöglichkeiten als Naherholungsgebiet und ist zudem eine Hauptattraktion für Touristen. Während die Gruppe das entschleunigte Leben auf der vorgelagerten Insel genoss, diskutierte sie über die ersten gewonnenen Eindrücke des für viele von ihnen fremden Landes und bereiteten sich auf die interkulturelle Vorlesung von Dr. Opas Piansoongnern am frühen Abend vor. Der gebürtige Thailänder ist Professor an der Ramkhamhaeng University, Berater namhafter Unternehmen in Thailand und Gastprofessor an der RWU. Er sollte die Studierenden in den kommenden Tagen begleiten. Mit seinem Expertenwissen rund um das Thema „Management“ und seinen interkulturellen Fähigkeiten bereitete er die Studierenden bestens auf den Besuch der Singapore Management University (SMU) am nächsten Tag vor. Zudem gab er ihnen Einblicke in die kulturellen Unterschiede zwischen Singapur, Thailand und Deutschland.

„Think global, think generation, think growth“

„Wieder einmal ist es eine große Freude Dr. Opas mit an Bord zu haben“, so der IB-Student Mario Scheike. „Mit seiner ganzen Erfahrung und seinem großen Netzwerk haben wir die Chance, Top-Universitäten wie diese hier zu besuchen“, fügte er hinzu, als er vor dem imposanten Gebäude im Zentrum Singapurs stand. Die Wirtschaftsuniversität wurde im Jahr 2000 gegründet, zählt über 4.000 internationale Studierende und gehört zu den renommiertesten weltweit.

Die Gäste wurden dort herzlich von Esther Kong, der stellvertretenden Direktorin des Business Families Instituts, mit den Worten „Think global, think generation, think growth“ in Empfang genommen. Bei einer geführten Tour durch das grün bepflanzte „Zero Energy-Gebäude“ und einem anschließenden Vortrag von SMU-Studierenden hatte die Besuchergruppe die Möglichkeit, mehr über das Leben und Wirken auf dem Campus zu erfahren. Im anschließenden Vortragsplenum von Esther Kong und dem Professor für strategisches Management, Tan Wee Liang, wurde den „IB`lern“ ein tiefer Einblick in die Unternehmenslandschaft der reichen und fortschrittlichen Nation gegeben. Im Anschluss hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, ihre Arbeitgeber vorzustellen und so den Gastgebern ein Bild von deutschen Familienunternehmen zu vermitteln. Nach einem sowohl informativen als auch interkulturellen Tag ließen die Studierenden den Abend auf einem Street Food Market in Chinatown ausklingen.

Asien für Einsteiger

Mit einem herzlichen „Selamat pagi“ wurde die Gruppe bei Schaeffler (Singapore) Pte. Ltd. begrüßt. Schon auf dem Weg in das moderne Büro bekamen die Studierenden tiefe Einblicke von Clemens Hesse, dem Vice President der Regional Business Unit. Mit rund 89.000 Mitarbeitern in über 170 Ländern gehört die Firma zu den „Big Playern“ der Automobilzulieferer. Mit den Worten „für den Standort Singapur als Zentrale für den asiatischen Raum entschied sich das Unternehmen wegen der Infrastruktur, der Hauptsprache Englisch und dem westlichen Lebensstil - Asien für Einsteiger, wie wir hier sagen“, schloss Dharmesh Arora, CEO von Schaeffler Asia/Pacific seinen informativen Vortrag über das Unternehmen und das Leben und Arbeiten in Singapur ab.

Der nächste Stopp: Die National University of Singapur (NUS). Mit einem Vortrag und einer anschließenden Diskussion über die kulturelle Identität Singapurs, geführt von Professor Dr. Tim Bunnel, dem Direktor des Asia Research Institutes, wartete ein weiteres akademisches Highlight und der letzte Programmpunkt des Tages auf die deutschen Gäste.

„Willkommen im German Centre in Singapur, meine Damen und Herren“, ertönte es in der Empfangshalle eines in Deutschlandfarben gekennzeichneten und modernen Gebäudes gut 30 Minuten außerhalb des Zentrums. Die Stimme gehörte zu Katharina Ravens, Geschäftsführerin des German Centre Singapore, welches seit über 25 Jahren Unternehmen beim Markteintritt in den asiatischen Raum zur Seite steht und ihnen hilft, dort Fuß zu fassen. Da das Center auf rund 20.000m² über 150 internationale Firmen „beheimatet“, hatten die Studierenden die Möglichkeit, bei der aus Wangen im Allgäu stammenden Firma Waldner und dem schwedischen Roboterhersteller OnRobot hinter die Kulissen zu schauen, sowie einem Beitrag der AHK über den Wirtschaftsstandort Singapur beizuwohnen.

Während sich am Vormittag alles um etablierte Unternehmen drehte, stand nach einem traditionellen, malaiischen Mittagessen die Startup-Szene im Fokus. Nach dem Besuch von „German Entrepreneurship Asia“, ein von der Bundesregierung gefördertes Unternehmen, welches mit seinen Programmen „German Accelerator“ und „Next Step“ internationale Startups beim Eintritt in den asiatischen Markt hilft, wurde der Tag mit einer Diskussionsrunde über das Erlebte und Erfahrene abgerundet.

Die grüne Lunge Singapurs

Während in den Tagen zuvor der Fokus vor allem auf akademische Einblicke und Highlights in der Business-Branche gelegt wurde, ging es mit Singapurs einzigartiger Natur weiter. Mit dem Besuch des Tree Top Walks und dem anschließenden elf Kilometer langen Marsch durch das Mac Ritchie Reservoir lernte die deutsche Wandergruppe die Metropole von einer ganz anderen Seite kennen. Mit ihrer großen Artenvielfalt, der einzigartigen Pflanzenwelt und weiten Wasserwegen ist die „grüne Lunge Singapurs“ - ein Muss für jeden Besucher! Erschöpft durch die Wanderung und die Temperaturen um die 30 Grad Celsius sowie der hohen Luftfeuchtigkeit, widmete sich die Gruppe am Nachmittag den architektonischen Besonderheiten Singapurs. Der Besuch der Gardens by the Bay und des weltberühmten Hotels Marina Bay Sands mit dem Blick auf die beeindruckende Skyline machten den Tag zu etwas ganz Besonderem.

Der letzte Tag der achttägigen Studienreise galt dem Besuch der ZF Services Asia Pacific, wo die Gruppe vom gebürtigen Weingärtner und Senior Manager im Bereich Aftermarket am ZF-Standort Singapur, Dominic Roth, in Empfang genommen wurde. Nach dem obligatorischen Gesundheitscheck, bei dem die Temperaturen der Besuchergruppe auf einer Liste festgehalten wurden, und einer anschaulichen Werksführung sowie einer spannenden Diskussionsrunde bekamen die Studierenden Einblicke aus erster Hand in einen der weltweit führenden Automobilzulieferer.

Bevor die Studienreise mit einem interkulturellen Abschlussworkshop zusammen mit Professor Dr. Eberhard Hohl und Professor Dr. Opas Piansoongnern ein offizielles Ende fand, wurde Singapur als hochmoderner, innovativer und fortschrittlicher Wirtschaftsstandort durch ein „Lessons learned“ näher analysiert und reflektiert. „Wie die Studienreise nach Thailand/Myanmar beeindruckte mich auch diese Studienreise durch ihre Vielfalt und unvergleichlichen Eindrücke. Die Diversität und Einzigartigkeit unterschiedlicher Kulturen kann man nur durch das persönliche Erfahren wirklich kennenlernen“, so Michael Stumpf, Studierender des 5. Semesters.

Text:
Jan Bolender