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Corona - Was geht

Corona im pflegewissenschaftlichen Diskurs

Corona Was geht - Pflege

Die RWU steht auch in diesen außergewöhnlichen Tagen und Wochen nicht still. An vielen Stellen wird mit Engagement und Kreativität an neuen Lösungen gearbeitet. Mit der Reihe „Corona – Was geht“ möchten wir den Blick nicht nur auf das richten, was derzeit nicht möglich ist, sondern gerade auch auf das, was geht.

Derzeit nimmt die Corona-Pandemie auch im wissenschaftlichen Diskurs eine zentrale Rolle ein. Unter anderem stehen Diskussionen über  Schutzmaßnahmen in Zusammenhang mit vulnerablen Bevölkerungsgruppen im Vordergrund. So haben sich auch Mitglieder des Instituts für Gerontologische Versorgung- und Pflegeforschung an der RWU mit verschiedenen Diskussionsbeiträgen in den Diskurs und die damit verbundenen Auswirkungen auf den Pflegeberuf sowie die Pflegebedürftigen eingebracht:

Die Corona-Pandemie hat dazu geführt, dass der Pflegeberuf wieder mehr in das Bewusstsein der Öffentlichkeit getreten ist. Weiterhin ist aber unklar, in welcher Form sich die Anerkennung des Pflegeberufes darstellen wird. Bleibt es bei einer ideellen Anerkennung z. B. in Form von ritualisiertem Applaus vom Balkon? Oder führt die Corona-Pandemie zu tatsächlichen Veränderungen innerhalb des Pflegeberufes z. B. durch Verbesserungen der Arbeitsbedingungen, eine leistungsgerechte Entlohnung oder ein attraktiveres Berufsfeld? Pflege ist und bleibt systemrelevant. Welche langfristigen Auswirkungen die Corona-Pandemie jedoch auf das Berufsbild und die Professionalisierung in der Pflege haben wird, bleibt fraglich.

In den Diskussionen zu einer möglichen Überlastung des Versorgungssystems stand bislang die Gesundheits- und Krankenpflege – insbesondere die Intensivpflege – im Vordergrund. Dies verwundert, denn alte Menschen stellen eine besonders vulnerable Gruppe und zugleich immer größer werdende Gruppe von Nutzerinnen und Nutzern des Sozialsystems dar. Dementsprechend sollte der Situation in der Altenpflege weitere Aufmerksamkeit zuteilwerden, zumal die Solidaritätsaufgabe gegenüber älteren und pflegebedürftigen Menschen durch die Corona-Pandemie nochmals besonders deutlich wird.

Sämtliche politischen Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung wurden – wie es bei Pandemien eigentlich immer der Fall ist – unter Unsicherheit getroffen. Forschung ist daher nicht nur bezüglich der Impfstoffentwicklung notwendig. Es muss auch betrachtet werden, welche positiven aber auch negativen Auswirkungen zum Beispiel die Isolationsmaßnahmen auf die Gesundheit der Bevölkerung haben. Dies gilt insbesondere für ältere Menschen und pflegebedürftige, die durch Besuchsverbote in Pflegeheimen besonders betroffen waren. Die sozial- und pflegewissenschaftliche Forschung nimmt daher in der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Corona-Pandemie eine besondere Rolle ein.

 

Zu den Publikationen:

Fischer G., Winter M. H.-J., Reiber K. (2020): Applaus, Applaus für Dein stilles Dulden… Variationen über das Thema „Anerkennung“. Pflegewissenschaft 22 (Sonderausgabe Corona-Pandemie),112-116. (Link zum Volltext)

Fischer F., Raiber L., Boscher C., Winter M. H.-J. (2020): COVID-19 and the Elderly: Who Cares?. Frontiers in Public Health 8, 151. (Link zum Volltext)

Fischer F., Raiber L., Boscher C., Winter M. H.-J. (2020): Systemrelevanz der Pflegeberufe in Zeiten von Corona – und darüber hinaus. Gesundheitswesen 82, 373. (Link zum Volltext)

Fischer F., Raiber L., Boscher C., Winter M. H.-J. (2020): Corona-Schutzmaßnahmen in der stationären Altenpflege: Ein Mapping Review pflegewissenschaftlicher Publikationen. Pflege, zur Publikation angenommen.

 

Text:
Florian Fischer / Christoph Oldenkotte