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Corona - Was geht

Marketing in Corona Zeiten

Corona was geht - Marketing in Zeiten von Corona

Die RWU steht auch in diesen außergewöhnlichen Tagen und Wochen nicht still. An vielen Stellen wird mit Engagement und Kreativität an neuen Lösungen gearbeitet. Mit der Reihe „Corona – Was geht“ möchten wir den Blick nicht nur auf das richten, was derzeit nicht möglich ist, sondern gerade auch auf das, was geht.

Welche Auswirkungen wird die Coronakrise auf die Wirtschaft haben? Diese Frage, so zeichnet sich bereits heute ab, wird uns auf Jahre hin beschäftigen. Wie sich die aktuelle Situation jedoch unmittelbar auf Marketingstrategien auswirkt, damit beschäftigt sich der Blog von Dr. Steffen Jäckle. Er ist Professor für Marketing und Vertriebsmanagement an der RWU:

 

Alle existierenden Marketingpläne und vor allem Marketingaktivitäten müssen jetzt überprüft werden – alle! Sofort!

Situativ ist King

Ist die geplante Marketingaktivität noch angemessen zu der aktuellen Situation vor Ort?

Am 12.03.2020 hat die Weltgesundheitsorganisation Covid-19 (Corona) zur Pandemie erklärt. Eine Pandemie bezeichnet eine Krankheit die „von Mensch zu Mensch übertragen“ wird und zur gleichen Zeit mehrere Kontinente betrifft. Dieser globale Aspekt unterscheidet die Pandemie von der geografisch begrenzten Epidemie. In erster Linie ist dies ein Appell der WHO an alle Länder, die Situation ernst zu nehmen. Für Ihre Marketingaktivitäten heißt das aber nicht, dass eine globale Strategie die beste ist. Im Gegenteil, denn der Impact von Corona ist lokal – sprich abhängig von der Situation vor Ort. Die Situation in Südkorea ist anders als die in Italien, die wiederum anders ist als diejenige in Deutschland.

Permanente Neubewertung

Ist unsere Entscheidung vor einer Woche, zwei Tagen oder gestern, heute, morgen noch die Richtige?

Das Umfeld ist dynamisch, extrem dynamisch, das bedeutet, dass die Halbwertszeit von Entscheidung sich massiv reduziert. Organisationen müssen permanent getroffene Entscheidungen hinterfragen – momentan bedeutet dies zumindest täglich unter Umständen auch stündlich.

Stimmige Tonalität

Ist Ihre Marketingaktivität noch stimmig in der Tonalität (Botschaft, Bildsprache, kreative Umsetzung ...) zur der aktuellen Situation?

Passt Ihre Botschaft überhaupt noch in die aktuelle Zeit? Der DAX hat im März mehr als 35 % verloren – trotzdem sind unverändert im TV „copies on air“ welche die identische „frohe Botschaft“ ausstrahlen wie vor vier Wochen: „Investieren Sie in Aktien“, Investmentfondsplan etc. Das arbeitet momentan nicht – schlimmer: Es ist kontraproduktiv für Ihre Marke.

Die Tonart der Kampagnen muss überprüft werden – provokative Ironie arbeitet definitiv nicht in Zeiten von Corona. Marken, wie beispielsweise True Fruits oder Sixt, die normalerweise sehr provokativ agieren, geben sich geradezu staatsmännisch und kommunizieren gekonnt & stimmig den „stay home spirit“

Seriosität ist King! Google hat angekündigt, seine berühmten April-Scherze in diesem Jahr nicht zu veranstalten. Es ist offensichtlich, dass dies momentan keinen Sinn ergibt. Was will die Zielgruppe in diesen Zeiten? Sicherheit! Es ist bezeichnend, dass viele Unternehmen die besonders schwer betroffen sind (Lufthansa, HRS …) statt auf bunte Bilder ausführlich informieren, statt weiter bunte Imagewelten zu kommunizieren.

Lufthansa zeigt beispielhaft, wie gelungene Krisenkommunikation stimmig in der Tonalität gestaltet wird:

  • Sicherheit: Unser Angebot ist sicher
  • Rückkehrerflüge: Wir bringen Sie nach Hause
  • Flexible Umbuchungsbedingungen: Wir helfen Ihnen
  • Längere Wartezeiten. Wir bitten um Ihr Verständnis
  • Und zu guter Letzt: Wir danken für Ihr Vertrauen – mit persönlichem Absender und Unterschrift

Prioritäten setzen

Welche Marken, Produkte oder Aktivitäten werden priorisiert?

Die Prioritäten der vor Corona Zeit sind perdu. In Zeiten von „social distancing“ gewinnt Kommunikation an Bedeutung. Aldi hat dies erkannt und schenkt allen Kunden ab sofort – „einfach so“ mehr Datenvolumen. Die Marke „Aldi Talk“ erhält Priorität während es Sinn ergäbe alle Non-Food Aktivitäten kurzfristig zu de-priorisieren. Gleiches gilt für geplante Toilettenpapier Vermarktungen … Stattdessen gilt #GEMEINSAMGEHTALLES.

In Italien und Frankreich beschränkt Amazon die Lieferung nicht notwendiger Waren. Es sollen nur noch unverzichtbare Güter ausgeliefert werden, damit die Mitarbeiter geschützt & entlastet werden.

Was können wir an „mehr“ leisten?

Kann unsere Organisationen einen Beitrag zur Bewältigung der Krise leisten?

Das bestehende Angebotsportfolio muss hinterfragt werden. Wie können wir mit unseren Fähigkeiten einen Beitrag in der Krise leisten? Trigema re-priorisiert das Produktportfolio. Jetzt wird Mundschutz produziert statt T-Shirts & Poloshirts. Der Luxuskonzern LVHM hat angekündigt, Desinfektionsmittel statt Parfum herzustellen. Jägermeister stellt 50.000 Liter Alkohol der Apotheke des Klinikums Braunschweig zur Verfügung. Aber auch Organisationen denen es nicht so „leicht“ fällt, wie Trigema, LVHM oder Jägermeister bestehende Produktionsfähigkeiten auf neue Endprodukte zu switchen oder Zwischenprodukte an Apotheken zu liefern, können einen Beitrag leisten: McDonald’s Mitarbeiter unterstützen Aldi in den Filialen!

News & FAQ zum Umgang mit Corona an der RWU

Text:
Professor Dr. Steffen Jäckle / Christoph Oldenkotte