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Ausbau der Didaktik an der Hochschule

Lernen und Lehren lernen

Team Hochschuldidaktik der RWU.
Quelle:
Dennis Welge

Oft ist die Rede von den „three missions“, den drei Aufgaben der Hochschulen. Der dritte und jüngste Auftrag lautet, zur Gestaltung der Gesellschaft beizutragen. An zweiter Stelle steht die Forschung. Nummer eins ist und bleibt die Kernaufgabe der Hochschule, nämlich die Lehre. Dass man dieses Feld der Didaktik an der Hochschule in Weingarten als eine wichtige und dynamische Aufgabe ansieht, das belegt allein schon der Ausbau des damit befassten Teams in den vergangenen drei Jahren. „Die Gesellschaft verändert sich, und damit auch die Studienanfänger, die bei uns ankommen. Auf der anderen Seite entwickeln sich auch Methoden in der Lehre immer weiter, etwa durch neue technische Möglichkeiten. Auf beides müssen wir reagieren“, sagt Professorin Dr. Theresia Simon, die an der HRW als Prorektorin unter anderem für das Thema Didaktik verantwortlich zeichnet.

Es geht um Talente, sie zu identifizieren und zu entwickeln

Mit Beginn des Jahres wurde das Didaktik-Team weiter ausgebaut. Dies ist Dank der Bewilligung von drei Projekten aus dem „Fonds Erfolgreich studieren in Baden-Württemberg“ möglich, mit dem das Wissenschaftsministerium Baden-Württemberg insbesondere zur Verbesserung der Auswahlprozesse vor Beginn des Studiums, zur Unterstützung des flexiblen Studienstarts und zur Förderung innovativer Lehre beitragen will. „Unser Anliegen ist es, den Studierenden den richtigen Weg zu weisen, um sie vor, während und nach dem Studium optimal zu begleiten. Hierfür stellt das Wissenschaftsministerium zwischen 2016 und 2020 gut 100 Millionen Euro für die Landeshochschulen zur Verfügung“, sagt Wissenschaftsministerin Theresia Bauer.

„Zudem unterstützen engagierte Professorinnen und Professoren aus allen Fakultäten dieses Anliegen durch die Einbindung ihrer Studierenden in interdisziplinäre Projekte und die Erprobung innovativer didaktischer Methoden“, so Theresia Simon.

Eigens dafür wird ein sogenannter InnovationHub eingerichtet, der als Lehrlernlabor und DesignThinking-Lab dienen wird. „Wir haben drei Anträge für drei Förderlinien des Landes gestellt“, erklärt Jochen Weißenrieder, der zusammen mit Martin Preußentanz bereits in den vergangen zwei Jahren den Kern des Didaktik-Teams an der Hochschule bildete. „Alle drei Anträge wurden bewilligt und ermöglichen eine Investition von fast 1,1 Millionen Euro in den kommenden zwei Jahren.“

Inhaltlich zielen alle drei Strukturprojekte auf einen ähnlichen Punkt: Es geht um Talente, sie zu identifizieren und zu entwickeln, angefangen bei den Bewerberinnen und Bewerbern, über die Studierenden bis hin zu den Absolventinnen und Absolventen. So befasst sich das Projekt „Talentscanner“ etwa mit einem alternativen Zulassungsverfahren, mit dem die sogenannten Hidden-Talents ohne Beachtung der Hochschulzugangsberechtigungsnote zu einem passenden Studium kommen. Dazu umfasst der Talentscanner ein mehrstufiges Verfahren aus Vorselektion und Online-Probestudium.

Praxisbezug, die Kernkompetenz einer Hochschule für Angewandte Wissenschaften

In dem Projekt „Talentwecker“ werden Initiativen, die bereits in den vorangegangenen Jahren begonnen hatten, mit verändertem Fokus weiterentwickelt. Verteilt auf die vier Fakultäten steht in projektorientierten Maßnahmen der Studienanfang im Fokus, um gezielt in dieser Phase sowohl die Lehrangebot wie natürlich auch die Ergebnisse der Studierenden zu verbessern.

Das dritte geförderte Strukturprojekt trägt den Namen „T.E.A. House“, und steht für Talents, Empowerment, Action. Das zentrale Anliegen des T.E.A.-House ist es, so Martin Preussentanz, „fakultätsübergreifendes, projektbezogenes Lehren und Lernen zu unterstützen“. Zu diesem Zweck entstehen sogenannte Lehr-Lern-Labore. Das T.E.A.-House ist also auch ein tatsächlicher Raum, ein Lernlabor, das kreatives Arbeiten und innovatives Denken inspiriert und in dem in interdisziplinären Gruppen reale Probleme externer Kooperationspartnern bearbeitet werden.

„Mit der Offensive für projektorientiertes Lernen lässt sich die Kernkompetenz einer Hochschule für Angewandte Wissenschaften, der Praxisbezug, wunderbar in die Lehre einbringen“, so Jochen Weißenrieder. „Wir sind stolz auf diese umfangreichen Zusagen“, ergänzt Prorektorin Theresia Simon. „Wir werden sie nutzen, die Lehre an unserer Hochschule kontinuierlich weiter zu entwickeln.“

Auf die eingangs erwähnte Third Mission dürfte dies dann ganz automatisch eine Auswirkung haben. Denn gute Absolventinnen und Absolventen, die schon während ihres Studiums durch die Lösung fachlich und gesellschaftlich relevanter Probleme ihre Kompetenzen weiterentwickeln konnten, werden auch nach dem Studium ihren gesellschaftlichen Beitrag leisten.

Text:
Christoph Oldenkotte